Online-Shops und Online
Dating feiern Hochkonjunktur. Ich habe beides jahrelang ausprobiert und endlich
den richtigen Weg gefunden. Ohne lästigen Rückversand und dramatische
Trennungen.
Natürlich
klingelte eine Woche später der Postbote an meiner Tür und mein Schuhschrank
war nun endgültig überfüllt. Und während ich verzweifelt versuchte, das neue
Paar irgendwo unterzubringen, begann ich mich mal gedanklich mit dem
Internetkonsum auseinanderzusetzen. Das Einkaufverhalten und die Partnersuche
haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Viele suchen mittlerweile ihr
Glück online und werden auch mehr oder weniger fündig.
Woran
liegt es, dass wir immer öfter digital zuschlagen? Es beschränkt sich ja
mittlerweile nicht nur auf unser Shoppingverhalten und klassische Partnerbörsen.
Chat- und Datingportale, Pizza Lieferservice, Online-Trennungsagenturen...
Jeder, der sucht, wird fündig.
Ich
selber nutze regelmäßig diverse Internetdienste und lernte meine letzten
Partner online kennen. Bei 1,6 Millionen angemeldeten Mitgliedern auf
kostenpflichtigen Datingseiten und den unzähligen einsamen Herzen auf den
kostenfreien Portalen ist die Auswahl mehr als groß. Ganz zu Schweigen von der
Masse an Online-Shops.
Viele
beschweren sich, wie traurig es ist, dass alte Medien und Gewohnheiten (z.B.
Briefe schreiben und shoppen “gehen“) immer mehr in Vergessenheit geraten und
dass sich die ganze Kultur auf das Internet und andere neue Medien fixiert.
Aber wieso? Beschwert sich heutzutage jemand darüber, wieso wir nicht mehr in
klapprigen Kutschen fahren, sondern in vollklimatisierten BMW Cabrios?
Ich
muss mir selber eingestehen, dass ich viel einfacher in Versuchung komme, mir
etwas zu kaufen, wenn ich auf „Bezahlen“ klicke und nicht die Kreditkarte im
Laden zücken muss. Doch was ist letztendlich schlimmer? Sich tagelang auf ein
Päckchen freuen, um festzustellen, dass es eben nicht passt oder einen Laden betreten
und ihn 10 Minuten später wieder mit leeren Händen zu verlassen? Wohl ersteres,
oder? Hinzu kommt noch der bittere Weg zur nächsten Poststelle, um alles
zurückzuschicken. Gleiches gilt für das Akquirieren potenzieller Partner. Ein
„Nein, danke!“ liest sich besser, als es sich anhört. Und man muss sich auch
nicht optisch herrichten. Dating in Jogginghose und Tshirt auf der Couch ist
weitaus bequemer als ein einsamer Drink in einer Bar. Aber ist es das wirklich
Wert? Für mich definitiv nicht.
Ich
habe in den letzten Jahren viel investiert und auch viele Dates hinter mir. Gewonnen
habe ich nur eine Erkenntnis: Nicht der Vorgang verliert seinen Wert, sondern
das Objekt der Begierde - für mich zu mindestens. Internet-Dates und
Onlineshops machen vieles einfacher, das möchte ich nicht in Frage stellen.
Doch im Endeffekt versprechen wir uns oft genug viel zu viel, enden mit
überfüllten Schränken, nichts zum Anziehen und mehr als sieben gescheiterten
Beziehung. Meine bestellten Schuhe habe ich letztendlich wieder zurückgeschickt,
doch wer zahlt das Porto für mein Herz?

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