Montag, 10. Juni 2013

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Online-Shops und Online Dating feiern Hochkonjunktur. Ich habe beides jahrelang ausprobiert und endlich den richtigen Weg gefunden. Ohne lästigen Rückversand und dramatische Trennungen.

Ich erinnere mich an die letzte Woche im vergangenen Jahr. Dank undankbarer Wetterverhältnisse verbrachte ich - wohlgemerkt frisch getrennt - einen Nachmittag mit Tee vor meinem iPad. Plötzlich wurde ich auf eine Anzeige aufmerksam. „Schlussverkauf, bis zu 50% Rabatt auf alles und keine Versandkosten“ bei einem meiner Lieblingslabels. „Man kann ja mal schauen“, dachte ich mir, „kaufen tu ich eh nichts...“. Betonung liegt eindeutig auf „dachte“.
Natürlich klingelte eine Woche später der Postbote an meiner Tür und mein Schuhschrank war nun endgültig überfüllt. Und während ich verzweifelt versuchte, das neue Paar irgendwo unterzubringen, begann ich mich mal gedanklich mit dem Internetkonsum auseinanderzusetzen. Das Einkaufverhalten und die Partnersuche haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Viele suchen mittlerweile ihr Glück online und werden auch mehr oder weniger fündig.
Woran liegt es, dass wir immer öfter digital zuschlagen? Es beschränkt sich ja mittlerweile nicht nur auf unser Shoppingverhalten und klassische Partnerbörsen. Chat- und Datingportale, Pizza Lieferservice, Online-Trennungsagenturen... Jeder, der sucht, wird fündig.
Ich selber nutze regelmäßig diverse Internetdienste und lernte meine letzten Partner online kennen. Bei 1,6 Millionen angemeldeten Mitgliedern auf kostenpflichtigen Datingseiten und den unzähligen einsamen Herzen auf den kostenfreien Portalen ist die Auswahl mehr als groß. Ganz zu Schweigen von der Masse an Online-Shops.
Viele beschweren sich, wie traurig es ist, dass alte Medien und Gewohnheiten (z.B. Briefe schreiben und shoppen “gehen“) immer mehr in Vergessenheit geraten und dass sich die ganze Kultur auf das Internet und andere neue Medien fixiert. Aber wieso? Beschwert sich heutzutage jemand darüber, wieso wir nicht mehr in klapprigen Kutschen fahren, sondern in vollklimatisierten BMW Cabrios?
Ich muss mir selber eingestehen, dass ich viel einfacher in Versuchung komme, mir etwas zu kaufen, wenn ich auf „Bezahlen“ klicke und nicht die Kreditkarte im Laden zücken muss. Doch was ist letztendlich schlimmer? Sich tagelang auf ein Päckchen freuen, um festzustellen, dass es eben nicht passt oder einen Laden betreten und ihn 10 Minuten später wieder mit leeren Händen zu verlassen? Wohl ersteres, oder? Hinzu kommt noch der bittere Weg zur nächsten Poststelle, um alles zurückzuschicken. Gleiches gilt für das Akquirieren potenzieller Partner. Ein „Nein, danke!“ liest sich besser, als es sich anhört. Und man muss sich auch nicht optisch herrichten. Dating in Jogginghose und Tshirt auf der Couch ist weitaus bequemer als ein einsamer Drink in einer Bar. Aber ist es das wirklich Wert? Für mich definitiv nicht.
Ich habe in den letzten Jahren viel investiert und auch viele Dates hinter mir. Gewonnen habe ich nur eine Erkenntnis: Nicht der Vorgang verliert seinen Wert, sondern das Objekt der Begierde - für mich zu mindestens. Internet-Dates und Onlineshops machen vieles einfacher, das möchte ich nicht in Frage stellen. Doch im Endeffekt versprechen wir uns oft genug viel zu viel, enden mit überfüllten Schränken, nichts zum Anziehen und mehr als sieben gescheiterten Beziehung. Meine bestellten Schuhe habe ich letztendlich wieder zurückgeschickt, doch wer zahlt das Porto für mein Herz?

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